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[Rezension] Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen | Ava Reed

Hallihallo ihr Lieben!

Würdet ihr mich fragen, welches Buch mich in letzter Zeit am meisten zum Nachdenken gezwungen hat, ich würde euch mit folgendem antworten: „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen“ von Ava Reed. Es war eines dieser Bücher, die die Welt dargestellt haben, wie sie ist, nicht wie sie sein sollte. Vielleicht ist es genau das, weshalb ich das Buch lieben gelernt habe.

„Man hat immer irgendwas. Selbst deine Krankheit ist etwas. Zwischen Alles und Nichts liegt ziemlich viel dazwischen, wenn du mich fragst.“ (S. 266)

Was an Leni besonders ist? Nichts. Sie ist ein völlig normales Mädchen. Jedenfalls bis zu jenem schicksalhaften letzten Schuljahr … Wa genau passiert ist? Nichts. Und doch alles. Plötzlich bekommt Leni Angstzustände, Panikattacken, fühlt sich wie eine Fremde in ihrem eigenen Körper und niemand kann ihr helfen, sie unterstützen. Sie liegt tagelang gelähmt im Bett, kein Arzt hat eine Diagnose und die Frage bleibt: Wird Leni jemals wieder in der Lage sein, ein normales Leben zu führen, ohne Sorgen, Probleme und Ängste? Wird sie jemals wieder unbeschwert lachen können, dem Leben die Stirn bieten, stark sein? Für Leni scheint die Situation ausweglos, eine Bürde, die sie jedenfalls nicht alleine tragen kann … Doch wer steht wirklich an ihrer Seite, nachdem sie ihren Liebsten das Leben schwer gemacht hat?

Ich gebe „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen“ 4 von 5 Sternen.

Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich kann mir eine solch ausweglose Situation nicht vor meine Augen führen. Wie fühlt es sich an, wenn man keinen Sinn am Leben mehr sieht? Wie fühlt es sich an, wenn das gesamte Leben für einen selbst zur Qual geworden ist? Wie fühlt es sich an, wenn man das Gefühl hat, gegen das Gewohnte verloren zu haben? Wenn man plötzlich aus seinen Angeln gerissen wird, weder vor noch zurück kann, keine Zukunftsperspektiven mehr hat? Ich weiß es nicht. Und ich wünsche mir, diese Erfahrungen auch aufs Erste aufzuschieben.

Die Bücher von Ava vom ueberreuter-Verlag passen so gut zusammen!

Leni allerdings hat mit genau diesem Schicksal zu kämpfen. Denn ihr Körper richtet sich gegen sie, bereitet ihr Schweißausbrüche, Panikattacken und Depressionen. Leni ist anders. Leni muss gegen jeden neuen Tag kämpfen. Und doch ist der Charakter so von der lieben Ava meiner Meinung nach sehr bewusst gewählt worden. Denn anfangs soll Leni einen typischen Teenager repräsentieren. Fürsorgliche Eltern. Eine beste Freundin. Einen Schwarm. Mittelmäßige Noten. Und plötzlich verändert sich ihr gesamtes Leben. Durch viele spezielle Situationen wird Leni übel und kann nicht mehr gegen ihren Körper bestehen. Und genau da ist der Punkt: Leni könnte jeden X-beliebige Teenager darstellen. Mit Notendruck haben wir alle zu kämpfen. Mit Zukunftsängsten auch. Und mit einem Tag kann sich alles verändern. Mit einem Tag könnte jeder von uns krank werden und das Leben außer Kontrolle geraten.

Ich vermisse es, viel zu lachen und wenig zu weinen, normale Dinge zu tun, aufstehen zu können, ohne das Gefühl zu haben, das Schicksal der Welt laste auf meinen Schultern oder ihr Schmwerz tief in mir. (S. 124)

Traurigkeit. Angst. Hoffnungslosigkeit. Das sind Gefühle, mit denen wir alle manchmal zu kämpfen haben. Die wir alle schon erlebt haben. Doch was, wenn diese Emotionen plötzlich nicht mehr wegzuschieben sind, die guten Gedanken verschlingen und eine unendliche Leere zurücklassen. Ich denke, das Schwierigste in einem solchen Moment ist zu erkennen, dass man krank ist, nicht gesund, dass man Hilfe braucht und zwar schnell. Oft aber reagieren viele Ärzte falsch. Verschreiben nur Medikamente, beschäftigen sich nicht mit dem Chaos in einem Menschen. Mit diesen Themen und noch viel mehr beschäftigt sich dieses Büchlein. Ava Reed schafft es dabei, den Leser über die Gefühle von Menschen mit Depressionen aufzuklären. Über die damit verbunden Ängste, die schwindende Hoffnung.

Genau das hat sich an diesem Büchlein für mich so besonders angefühlt. Ava schafft es, ein Vertrauensverhältnis zu Leni zu schaffen, sodass der Leser auch ihre schlappen, tieftraurigen Gedanken nachvollziehen kann. Noch nie habe ich in einem solch hohen Ausmaß erfahren, welche Anstrengung es kosten kann, aus dem Bett zu kriechen, U-Bahn zu fahren, oder auch nur einen schönen Gedanken zu haben. Es ist etwas völlig Anderes, wenn man in der Schule über Depressionen lernt, als wenn man sich plötzlich in dem Kopf einer betroffenen Person befindet und zu verstehen beginnt …

Neben Leni hat es aber auch noch einige andere Charaktere gegeben, die einem während der Geschichte ans Herz wachsen. Zunächst ist da Lenis beste Freundin, Emma, mit der sie alle wichtigen Dinge teilt, mit der sie reden kann, der sie vertraut. Man lernt Emma hierbei als liebenswürdige, warme Person kennen, die Leni immer zur Seite stehen will, doch in Lenis Angst stößt diese ihre beste Freundin von sich weg. Später begegnet Leni auch noch anderen Menschen, die ein ähnliches Schicksal wie sie teilen. Da wären Anna, Philipp und Matti, die selbst aufgrund von psychischen Problemen oder anderen Schicksalen mit sich selbst zu kämpfen haben. Ich habe es sehr wichtig gefunden, dass Leni im Laufe des Buches versteht, dass sie nicht alleine ist, es niemals sein wird, dass es viele Menschen gibt, die äußerlich völlig normal wirken, aber in denen ein Sturm eines ungeheuren Ausmaßes wütet. Das ist denke ich auch eine unglaublich einzigartige Botschaft des Buches. Wir sind nicht allein. Werden es niemals sein. Und manchmal hilft es auch, sich anderen anzuvertrauen. Seine Sorgen zu teilen.

„Ich will damit sagen, dass du hier bist, damit es besser werden kann, aber nur, wenn du es wirklich willst. Wenn du mit aller Macht ein Licht in der Dunkelheit finden und ihm auch folgen willst.“ (S. 167)

Ich würde euch zum jetzigen Zeitpunkt gerne von unglaublichen Schauplätzen, atemberaubenden Abenteuern und starken Menschen erzählen. Aber die gab es nicht. Es war ein Buch, das auf neutrale Art von jenen Menschen berichtet hat, die es unglaublich schwer im Leben haben, die sich in ihrer Haut nicht wohlfühlen und herauswollen. Doch genau durch diese wenigen Schauplatzwechsel hat man die einzelnen Figuren noch besser verstehen können, sie betrachtet und festgestellt, wie diese ticken, was sie reizt und ängstigt. Das habe ich eigentlich das ganze Buch über genossen. Es ist einmal etwas Anderes gewesen.

Und da wären wir schon bei meinem einzigen Kritikpunkt. Dem Ende. Ich werde euch hier nicht spoilern, ihr müsst selbst sehen, was sich die liebe Ava einfallen hat lassen, aber trotzdem … Meiner Meinung nach haben die letzten Szenen gegen die gesamte Philosphie des Buches, was es braucht, um wieder gesund zu werden verstoßen. Jedenfalls in meiner Vorstellung.

Nehmt es nicht als Sommerbuch. Nehmt es als Gelegenheit, jene in unserer Gesellschaft besser zu verstehen, die leiden und denen es nicht gut geht. Seht die Chance, zu erkennen, dass jeder von uns sein eigenes Päckchen mit sich herum schleppt. Leni, Anna, Matti und Phillip sind außergewöhnliche Charaktere mit speziellen Geschichten, die es wert sind, gelesen zu werden. Ava Reed hat es einmal wieder geschafft, mit ihrem neuen Roman mein Herz zu erwärmen, erst zöglerlich, dann mit voller Wucht! Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!

Die liebe Saskia hat einen wunderschönen Beitrag geschrieben, der es auf jeden Fall wert ist, gelesen zu werden.

Wer dieses Buch nicht gelesen hat, sollte das ändern. Ich halte nicht besonders viel von gehypten Büchern, aber von diesem Buch halte ich besonders viel.

Auch die liebe Leah hat eine unglaublich rührende Rezension zu dem hübschen Büchlein verfasst. Auch ihr solltet ihr auf jeden Fall einen Besuch abstatten!

Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen ist für mich ein total besonderes Buch. Es ist leise. Es ist laut. Es ist voller Gefühl: Angst, Liebe, Zweifel und Hoffnung. Es ist wie der Schlag eines Flügels im Morgenrot.

Allgemeines: Ava Reed
Verlag: ueberreuter
Seitenanzahl: 311

Danke fürs Lesen!
Eure Kathi

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