[Rezension] Nicht weg und nicht da | Anne Freytag

Hallihallo ihr Lieben! Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das mich persönlich sehr beschäftigt und in den letzten Tagen auch berührt hat. Ich bin mir noch gar nicht sicher, ob es tatsächlich klug ist, die Rezension zu diesem Buch schon jetzt zu schreiben, da ich es erst gestern beendet habe, und mir noch viele wirre Gedanken in meinem Kopf herumschwirren, aber ich versuche nun trotzdem, ein paar meiner Gefühle zu ordnen. Anne Freytag vergöttere ich immerhin für ihren einmaligen Schreibstil, doch ist es wahrscheinlich allgemein bekannt, das ihre Bücher eher schwerwiegende Themen aufgreifen und zum Nachdenken anregen.

Inhalt

Diesen Tag wird es nie wieder geben. Also lebe ihn. Hör Musik. Lach. Und sei glücklich. (Aus den Emails von Kristopher, S. 147)

Luise ist alleine auf der Welt. Jetzt, wo ihr Bruder nicht mehr da ist. Denn dieser ist weg, plötzlich fort, ohne Abschied, aus dem Leben geschieden mit vier einfachen Worten: „Es tut mir leid.“ Doch wie soll Luise nun weitermachen, ohne ihren Bruder, ihren einzigen wirklichen Freund, der sie immer verstanden hat. Ihre Mutter tut so, als hätte sie kein zweites Kind und vergräbt sich in Arbeit und so steht Luise alleine da, nur sie und die Musik, die sie immer zu begleiten scheint. Doch eines Tages scheint sich alles zu verändern, als sie Jacob kennenlernt, der in ihr Inneres zu blicken vermag und sie versteht, der ihr Trost spendet und für das Mädchen da ist, als niemand anders es ist. Aber auch er ist kein unbeschriebenes Blatt mehr und möchte nicht mehr vertrauen, niemand mehr an sich heranlassen. Trotzdem hilft er Luise, die plötzlich E-Mails von ihrem Bruder bekommt, in denen er sich endgültig von ihr verabschieden möchte. Und öffnet so sein Herz, das er als verschlossen und kalt geglaubt hatte. Doch die Frage bleibt: Können zwei kaputte Seelen zueinander finden und einander Trost spenden, wo doch jeder mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen hat …

MeineGedanken

Ich gebe „Nicht weg und nicht da“ von Anne Freytag 5 von 5 Sternen.

5Sterne

Also, wie soll ich anfangen? Wie schon anfangs erwähnt, schwirren mir noch unzählige Gedanken in meinem Kopf herum, die ich nun ordnen muss, also beginnen mir mit den einfachen Sachen: Als ich vor etwa drei Wochen „Mein bester letzter Sommer“ von Anne Freytag an einem Tag verschlungen habe, war klar, dass ich mehr von dieser Autorin brauche. Berauscht hat mich ihre unglaubliche Art zu schreiben, die einerseits Dinge lieblich umschreibt und mit vielen Antithesen und Metaphern besticht, doch andererseits die nackte Wahrheit auf den Punkt bringt und nichts zu beschönigen versucht, das einfach nicht zu beschönigen ist. So greift sie in ihren Büchern auch immer wieder Themen auf, die in Büchern aus gesellschaftlich gemiedenen Gründen eher wenig angesprochen werden. In „Nicht weg und nicht da“ begeht Kristopher Selbstmord, Luises Bruder und mit ihm geht auch ein Teil des Mädchens verloren.

Morgen habe ich Geburtstag. Den ersten ohne meinen Bruder. Den ersten als Einzelkind. Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Meine Welt funktioniert nicht ohne Kristopher. Es ist wie bei einer Gleichung. Wenn er fehlt, komme ich nicht weiter. (S. 39)

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Ein schweres Thema, das steht fest, das es auch nicht einfacher macht, wenn ich es nun in diesem Beitrag aufzuarbeiten versuche, aber ich gebe mein bestes. Ich möchte einfach mal mit Luise anfangen, denn sie ist wohl die Hauptprotagonistin des Buches und teilt viele ihrer Gedanken mit den Lesern. Anfangs lernt man sie als kaputtes Mädchen mit zu lauten Gedanken kennen. Sie trauert um ihren Bruder, ohne den sie sich einfach nicht mehr ganz fühlt, und der ihr eine Menge bedeutet hat. Ihre Mutter kümmert sich kaum um Luise, obwohl diese erst 16 ist, denn nach dem Tod von Kristopher stürzt sie sich in Arbeit und möchte nicht mehr in der Nähe ihrer Tochter sein. Und Luise nimmt ihrer Mutter diese Abwesenheit übel, wie man in vielen Situationen erfährt. Aber das Mädchen ist eigentlich viel mehr als anfangs scheint. Sie stößt stille Hilferufe aus, indem sie sich die Haare abrasiert, doch diese werden nicht erhört, bis sie Jacob kennenlernt …

Ich glaube an Zufälle. An den freien Willen. An Kettenreaktionen. Wenn es nach mir geht, ist das Schicksal was für Leute, die zu viel Angst davor haben, Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen. (S. 70)

… Und dieser weiß vom ersten Moment an nicht, was er von dem unscheinbaren, dünnen Mädchen mit dem kahlrasierten Kopf halten soll. Sie ist auf jeden Fall nicht normal, so viel steht fest … Schon bald entwickelt sich Jacob dann zu dem einzigen Menschen, dem Luise wirklich vertraut, denn er hört ihr zu und versteht, behandelt sie trotzdem noch wie einen Menschen und nicht mitleidig. Das ist es wahrscheinlich, was ihn besonders macht. Und seine Kochkünste!!! Tja, und so schafft es die liebe Anne, jedem Charakter eine ganz besondere Charaktereigenschaft zuzuweisen, das hat das Buch einfach so besonders gemacht. Die kleinen Details, die so süß sind, das ich schreien könnte.

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„Und wie ist er so? Ich meine, in echt?“
„Er ist nett, aber irgendwie auch seltsam.“ Pause. „Er spricht nicht besonders viel.“
„Du auch nicht.“
„Eben“, sage ich. „Das ist ein Problem.“ (S. 84)

Und schon bald entwickelt sich natürlich mehr zwischen Luise und Jacob, klar, da möchte ich auch gar nicht zu viel verraten. Fakt ist, dass ich oft Luise sowie Jacob anschreien hätte wollen, ich hätte sie am liebsten eigenhändig erwürgt, denn so viel sei gesagt: Sie haben es sich eindeutig selbst schwer gemacht. Aber das müsst ihr wohl selbst herausfinden …

 

Dann möchte ich noch auf ein Thema zu sprechen kommen, das ich an Anne Freytags Büchern lieben gelernt habe: Die Musik. Es ist unglaublich, wie sie es schafft, Gänsehautmomente durch Klänge zu schaffen, ich kann das gar nicht beschreiben. Es waren diese klitzekleinen Momente, die dazu geführt haben, dass ich das Buch in mein Herz geschlossen habe❤️. Immer, wenn ein Lied im Text erwähnt wurde, habe ich es danach auch auf meinem Handy abgespielt und das hat mir ein Leseerlebnis bereitet, wie ich es schon seit Maybe Someday nicht mehr hatte!!! Es ist meiner Meinung nach unvorstellbar berührend und tiefgründig, wenn ich Büchern ein so fester Zusammenhang zur Musik präsentiert wird, was haltet ihr davon?

Es gibt Augenblicke, die alles verändern. Die das Vorher ganz klar vom Nachher trennen. Die einen Punkt markieren, an dem etwas Neues beginnt. Das gerade ist so ein Punkt. So ein Augenblick. (S. 322)

Und doch, kann ich nicht behaupten, dass das Buch durch und durch mit schönen Momenten übersät war. Oft war es wirklich herzzerbrechend, wie Luise in ihrem Leben zerbricht, wie sie nicht mehr weiter weiß und sich selbst in ihrem Leben noch weiter auf den Boden stößt. Und ich konnte nur zuschauen, sie eventuell anschreien, dann Jacob anschreiben und dann beide gemeinsam anschreien.

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Und trotzdem ist es meiner Meinung nach unglaublich wichtig, dass auch solch schwere Themen wie Selbstmord in Büchern aufgegriffen werden, dass man nicht wegschaut, tut, als wäre unsere Gesellschaft ohne Probleme. Das ist sie nun einmal nicht, das wird sie niemals sein und umso wichtiger ist es, den Menschen klarzumachen, dass es im Leben nun einmal nicht nur rosaroter Ponyhof ist. Das wäre schön, klar, aber so wird es niemals sein und es bringt gar nichts, sich in einer Fantasiewelt einzugraben und die Augen zu verschließen.

Hätte ich einen anderen Weg gesehen, hätte ich ihn genommen, ich hoffe, das weißt du. Für dich gibt es einen. Für mich gab es keinen. Dafür hätte ich anders sein müssen. Mehr wie du und weniger wie ich. Jemand, der das Leben nicht nur irgendwie aushält, sondern liebt. (Aus den Emails von Kristopher, S. 54)

Fakt ist, lest das Buch auf keinen Fall als Zwischendurchbuch, denn das ist es nicht. Stellt euch auf eine schwere Thematik ein, seid bereit auch das eine oder andere Mal sehr stark mit Luise mitzuleiden und beginnt zu lesen: Ihr werdet jede einzelne Seite genießen💛.

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Fazit

Ich stehe da und weine. Lautlos. Kristopher hat mir aus dem Jenseits geschrieben. Ich höre seine Stimme in meinem Kopf. Ich höre wieder, wie er sagt: Du kennst mich, ich finde einen Weg. Und das hat er. (S. 57)

Eine unglaublich berührende Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die es niemals einfach im Leben hatten, niemals einfach haben werden, aber sich gemeinsam stärker machen. Ja, Luise und Jacob sind etwas Besonderes und genau so ist auch ihre Geschichte. Stellt euch auf herzzerbrechende Szenen ein, aber auch auf viele ausgelassene und wunderschöne. Denn eines hat mir das Buch gelernt: Nichts im Leben ist schwarz oder weiß. Man kann nicht nur glücklich oder nur traurig sein. Und man braucht schlicht und ergreifend die richtigen Menschen, die mit einem lachen und weinen können, die einem zuhören und verstehen, aber gleichzeitig mit dir auch Spaß haben können, dass Stunden zu Minuten werden und Monate zu Jahren❤️.

Lieblingsbeiträge

Also, was soll ich sagen? Ich bin ja tatsächlich schon wieder bei meinen Lieblingsbeiträgen angelangt!!! Also, zuerst hat mich einmal der Beitrag der lieben Nadine in den Bann gezogen, auch sie ist dem Schreibstil der lieben Anne Freytag hoffnungslos verfallen.

Auch wenn die Idee zum Inhalt nicht unbedingt neu ist und ich zuerst skeptisch war, was mich alles erwarten wird, weil es mit 500 Seiten ein recht dickes Buch ist, hat es Anne Freytag es mal wieder geschafft mich in den Bann zu ziehen.

Ist es überhaupt möglich, zu diesem Meisterwerk eine negative Rezension zu finden? Meine Researchs ergeben: Nein. Ist es nicht. Hier also das nächste Zitat von der Vanessa, die – wie soll es anders sein – durch „Nicht weg und nicht da“ ein großer Fan der Autorin geworden ist.

Durch die besondere Geschichte, die liebevollen Charaktere, die einfühlsamen Worte und die wunderschönen Illustrationen steht dieses Buch kurz davor, ein Lieblingsbuch zu werden.

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Und schlussendlich muss ich noch ein Zitat aus der Rezension von Nina hinzufügen. Denn ich glaube, ich habe die letzten 1000 Wörter damit verbracht, zu beschreiben, was sie in einem Absatz geschafft hat.

Bei manchen Büchern ist es wirklich schwer eine Rezension zu schreiben, weil man nicht das ausdrücken kann, was das Buch einen fühlen lies. Es hat in mir so viel ausgelöst und ich habe noch immer einen Kloß im Hals. Was ein paar Wörter auf Papier mit und machen ist einfach wundervoll.

Allgemeines

Autor: Anne Freytag
Verlag: Heyne fliegt
Seitenazahl: 480

Danke fürs Lesen!
Kathi

P.S: Alle Bilder aus dem Beitrag sind in Barcelona entstanden, deswegen sind es dieses Mal auch ein paar mehr Fotos geworden, aber ich konnte mich einfach nicht entscheiden!!

 

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5 Antworten auf “[Rezension] Nicht weg und nicht da | Anne Freytag”

  1. Ich glaube ich werde das Buch auf jeden Fall lesen! Cool Barcelona! Wollte ich eigentlich auch fragen, bis ich das berühmte P.S. gelesen habe 🙂 Ich wollte schon immer in die Kathedrale von Gaudi! Naja ich werde jetzt über Pfingsten nur in die Alpen fahren und zwar ohne Internet (mein Blog?!? 😢)
    Liebe Grüße 💕
    Clara

    Gefällt 1 Person

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